8. Demokrit - ein Vorsokratiker
Demokrit stimmte seinen Vorgängern darin zu, dass die
beobachtbaren Veränderungen in der Natur nicht bedeuteten,
dass sich wirklich etwas »veränderte«. Er nahm deshalb an, dass
alles aus kleinen, unsichtbaren Bausteinen zusammengesetzt sein
müsse, von denen jeder einzelne ewig und unveränderlich ist.
Demokrit nannte diese kleinsten Teilchen Atome.
Das Wort »Atom« bedeutet »das Unteilbare«. Für Demokrit
war die Feststellung wichtig, dass das, aus dem alles gebaut ist,
sich nicht in immer kleinere Teile zerteilen lässt. Ja, wenn die
Atome immer wieder abgeschliffen und in immer kleinere Teile
getrennt werden könnten, dann würde die Natur nach und nach
flüssig wie eine immer dünner werdende Suppe.
Die Bausteine der Natur mussten außerdem ewig halten -
denn nichts kann aus null und nichts entstehen. Hier stimmte
Demokrit Parmenides und den Eleaten zu. Außerdem hielt er
alle Atome für fest und massiv. Aber sie konnten nicht gleich
sein. Denn wenn die Atome gleich wären, dann hätten wir keine
brauchbare Erklärung dafür, dass sie zu allem, von Mohnblumen
und Olivenbäumen bis zu Ziegenfellen und Menschenhaar, zu-
sammengesetzt werden können.
Es gibt unendlich viele unterschiedliche Atome in der Natur,
meinte Demokrit. Manche sind rund und glatt, andere sind un-
regelmäßig und krumm. Gerade weil sie so ungleichmäßig ge-
formt sind, lassen sie sich zu ganz unterschiedlichen Körpern
zusammensetzen. Aber egal, wie viele und wie unterschiedliche
Atome es auch geben mag, alle sind sie ewig, unveränderlich
und unteilbar.
Wenn ein Körper - zum Beispiel ein Baum oder ein Tier - stirbt
und in Auflösung übergeht, werden seine Atome verstreut und
können aufs neue in neuen Körpern verwendet werden. Denn
die Atome bewegen sich zwar im Raum, haben aber verschie-
dene »Haken« und »Ösen« und werden deshalb immer wieder
zu den Dingen zusammengehakt, die wir um uns herum sehen.
Und jetzt begreifst Du sicher, was ich mit den Legosteinen
sagen wollte? Sie haben ungefähr alle Eigenschaften, die Demo-
krit den Atomen zugeschrieben hat, und gerade deshalb kann
man so gut damit bauen. Zuerst einmal sind sie unteilbar. Sie
unterscheiden sich in Form und Größe, sie sind massiv und un-
durchdringlich. Legosteine haben außerdem Haken und Ösen
sozusagen, mit denen sie sich zu allen möglichen Figuren zu-
sammensetzen lassen können. Diese Bindung kann später aufge-
löst werden, und dann werden wieder neue Gegenstände aus
denselben Klötzchen gebaut.
Gerade dass sie immer wieder verwendet werden können, hat
die Legosteine so beliebt gemacht. Ein und derselbe Legostein
kann heute in ein Auto eingehen, morgen aber in ein Schloss. Au-
ßerdem können wir Legosteine als »ewig« bezeichnen. Kinder,
die heute leben, können mit denselben Steinen spielen wie ihre
Eltern, als die noch klein waren.